Ein Wirtschaftspraktikumsbericht

Einblicke aus der Sicht einer Schülerpraktikantin in den Arbeitsalltag von aditum, freundlicher Weise zur Veröffentlichung im Blog überlassen.

Vorwort/ Erwartung an das Wirtschaftspraktikum

Ich habe mich für das Praktikum bei der Kanzlei aditum entschieden, weil ich es sehr interessant finde, dass in diesem Unternehmen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte zusammen arbeiten und in der Kanzlei somit alle rechtlichen Bereiche vertreten werden. Ich persönlich interessiere mich sehr für den rechtlichen Bereich. Aus diesem Grund hatte ich letztes Jahr bereits ein Praktikum im Gericht gemacht. Da es sich dieses Jahr nun um ein wirtschaftliches Praktikum handelte, konnte ich in der Kanzlei Interessen und Vorgaben der Schule sehr gut miteinander kombinieren.
Informiert hatte ich mich im Internet über das Unternehmen und habe dann telefonisch gefragt, ob die Möglichkeit eines Praktikums bestünde. Daraufhin habe ich eine Bewerbung an das Unternehmen geschrieben und wurde angenommen.
Meine Erwartungen an das Praktikum waren, dass ich einen besseren Einblick in die verschiedenen Berufe in der Kanzlei erhalte. Vor allem wollte ich die Struktur des Unternehmens herausfinden und wie die verschiedenen Berufe zusammenarbeiten. Eine weitere Frage die ich mir gestellt habe und die ich im Bezug auf Steuerberatung ziemlich spannend fand, ist, ob Steuerberater ihre Kunden beeinflussen und ob sie vielleicht auch bewusst Gesetzeslücken ausnutzen, um Einsparmöglichkeiten zu erhalten.

Praktikumstagebuch

Am ersten Tag wurde ich am Sekretariat empfangen und begrüßt. Dann wurde ich von einer Auszubildende durch das gesamte Haus geführt und allen Mitarbeitern vorgestellt. Danach hatte ich ein Gespräch mit Herrn Haffke, in dem ich über meine Erwartungen und Vorstellungen and das Praktikum befragt wurde. Ich wurde in den Bereich des Lohns, der Finanzbuchhaltung, der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, sowie der Rechtsanwälte geführt. Dann habe ich angefangen im Bereich der Lohn- und Gehaltsabrechnung zu arbeiten. In einer Einführung habe ich das System kennengelernt und dann unter Aufsicht einige Gehaltsabrechnungen erstellt. Ich habe Erfassungslisten gesehen. Zusätzlich habe ich erfahren, wie Lohnabrechnungen und Erfassungslisten erstellt werden und wie Arbeitsunfähigkeit in einer Lohnabrechnung erfasst wird. Mir wurde außerdem gezeigt, wie die Ablage der Akten von verschieden Mitarbeiterlisten eines Mandanten strukturiert und geordnet werden.

Am zweiten Tag war ich wieder im Lohnbereich. Dort wurde mir die Buchhaltung für gewerbliche Mandanten gezeigt und ich habe dann unter Aufsicht einer Mitarbeiterin eine Buchführung durchgeführt.
Ich habe im Bezug auf die Buchhaltung die Hintergründe von Soll und Haben, die Ausgaben und Einnahmen bedeutet, erklärt bekommen. Außerdem wurde mir gezeigt wie man Belege und Rechnungen in einem Buchungssatz für die Buchhaltung bucht und wie man die Kontosalden abgleicht.

Ich wurde das Programm Rechnungswesen der Kanzlei eingewiesen.

Am dritten Tag war ich im Bereich der Finanzbuchhaltung. Dort habe ich alleine eine komplette Finanzbuchhaltung für einen Mandanten für ein Jahr erstellt. Dabei habe ich Rechnungen und Kontoauszüge eines Mandanten in einem Ordner sortiert und dann im Computerprogramm erfasst, sodass am Ende einer Abrechnungsperiode ein Abschlusssaldo herauskam. Am Ende wurden die Buchungen und die Salden gemeinsam mit einer Mitarbeiterin abgeglichen und korrigiert.

Am vierten Tag habe ich ebenfalls eine Finanzbuchhaltung für einen Mandanten erstellt. Dann hat mir eine Mitarbeiterin Informationen über die Struktur des Unternehmens erzählt und ich konnte Fragen stellen.

Am fünften Tag habe ich ebenfalls eine weitere Finanzbuchhaltung für einen Mandanten erstellt. Ebenfalls habe ich eine Abrechnung für die Kasse eines Mandanten übernommen. Dabei musste ich Einnahmen und Ausgaben der Mandantin über ihre EC-Karte erfassen. Danach hatte ich ein Gespräch mit dem Steuerberater Herrn Kewitsch, in dem ich viele Informationen über das Unternehmen erhalten habe und eigene Fragen stellen konnte. Am sechsten Tag konnte ich Einblick in den rechtlichen Bereich erlangen. Ich konnte mehrere Akten einsehen. Diese sollte ich lesen und zusammenfassen, um den kompletten Sachverhalt zu verstehen. Zu den Fällen sollte ich die Rechtslage erkunden mit Hilfe des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Internets. Der Rechtsanwalt hat mir verschiedene Aufgaben und Fragen gegeben zu der jeweiligen Akte, in denen ich die Problematik der Situation erkären sollte. Am Ende sollte ich ein Schreiben für den Anwalt des gegnerischen Mandanten fertigen.

Am siebten Tag fehlte ich krankheitsbedingt.

Am achten Tag habe ich weitere Akten einsehen können, zu denen ich wieder verschieden Aufgaben erhalten hatte. Ich sollte die Akte mündlich zusammenfassen, damit der Rechtsanwalt überprüfen konnte, ob ich den kompletten Sachverhalt verstanden habe. Dann habe ich mündlich die Fragen beantwortet.

Am neunten und letzten Tag habe ich nochmal einmal gelernt, wie man Konten abgleicht. Dabei überprüft man bereits gebuchte Konten. Am Ende hatte ich ein Gespräch mit Herrn Haffke, in dem ich meine Erfahrungen zum Praktikum äußern sollte. Von ihm erhielt ich positive Rückmeldung über mein Arbeitsverhalten und meine Wirkung auf die Mitarbeiter. Danach habe ich mich bei allen Mitarbeitern verabschiedet und bei denen bedankt, bei denen ich gearbeitet hatte.

Informationen zum Betrieb

Aditum Lübeck ist eine Kanzlei, in der Steuerberatung, Rechtsberatung und Wirtschaftsprüfung durchgeführt wird. Aditum hat vier Standorte: in Lübeck, Stockelsdorf, Grevesmühlen und Rostock. Das Unternehmen ist eine Partnergesellschaft mit beschränkter Berufshaftung. Diese Unternehmensform ist sehr geeignet für Kanzleien und andere freiberufliche Zusammenschlüsse, in denen Partner hochspezialisiert in Teams zusammenarbeiten. Der Unterschied im Bereich der Haftung im Vergleich zur einfachen Partnergesellschaft liegt darin, dass keine persönliche Haftung vorliegt, d.h. dass nicht mit dem privaten Vermögen für berufliche Fehler gehaftet wird. Die vier Partner sind Herr Schwarz (Rechtsanwalt), Herr Hafke (Steuerberater und Wirtschaftsprüfer), Herr Kewitsch (Steuerberater) und Herr Kohberg (Steuerberater und Wirtschaftsprüfer).

Die Kanzlei ist in verschieden Bereiche gegliedert:
Im Bereich des Lohns werden Lohnabrechnungen erstellt. Die Lohnabrechnung enthält die genaue Aufschlüsselung des Lohns für einen bestimmten Zeitraum und dient zur Nachvollziehbarkeit über die erfolgte Zahlung. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass jeder Arbeitgeber sie seinem Arbeitnehmer ausstellt.

Im Bereich der Finanzbuchhaltung wird die Buchhaltung und der Jahresabschluss für das Unternehmen eines Mandanten erstellt. Jeder Unternehmer ist verpflichtet eine Buchhaltung für sein Unternehmen zu führen und sich vom Finanzamt prüfen zu lassen. Der Unternehmer überweist die Steuergelder, die man bei dem Kauf seiner Ware oder Dienstleistung bei ihm bezahlt, zusammen mit seinen eigenen Steuergeldern an das Finanzamt. Sonst müsste jeder Käufer nach dem Kauf einer Ware oder Dienstleistung selber die Mehrwertsteuer an das Finanzamt zahlen. Große Unternehmen haben eine eigene Abteilung, in der die Buchführung durchgeführt wird. Kleinere Unternehmen geben meistens ihre Buchführung an eine Kanzlei ab. Alle unternehmensbezogenen Vorgänge werden in der Buchführung sachlich und zeitlich geordnet, auf Konten gebucht und dokumentiert. Am Ende der Abrechnungsperiode (Monat, Quartal, Jahr) werden die Konten abgeschlossen und eine Bilanz erstellt, welche Aussage über das Vermögen des Unternehmens gibt.

In der Rechtsabteilung werden Mandanten mit den Informationen über die rechtlichen Rahmenbedingungen ihrer unternehmerischen Handelsfreiheit versorgt. Die Mandanten erhalten durch die Rechtsberatung rechtssichere Handlungsfreiheit egal, ob sie ein neues Unternehmen gründen, oder, ob Probleme während der Unternehmensentwicklung entstehen. Der Rechtsanwalt ist ein unabhängiges Organ der Rechtspflege und vertritt einen Mandanten in Rechtsfragen. Außerdem analysiert er die Rechtslage, berät den Mandanten und vertritt ihn vor Gericht. Bei aditum werden die Mandanten vor allem im Bereich des Arbeitsrechts, Gesellschaftsrecht und Erbrechts vertreten.

Die Steuerberater arbeiten mit Mandanten aus dem Gewerbe, freiberuflichen Kunden und Privatpersonen zusammen. In deren Namen werden von ihm die Buchhaltung, die Lohnabrechnung, Jahresabschlüsse für Bilanzen, Einnahmeüberschusserklärungen und Steuererklärungen gemacht. Er berät seine Mandanten im Bereich der Steuergestaltung, der Einsparungsmöglichkeiten und der Firmengründung. Der Steuerberater erstellt Gutachten, bewertet Unternehmen, vertritt Mandanten vor der Finanzbehörde und macht auch Testamentseröffnungen. Er haftet für die Richtigkeit seiner Beratung gegenüber seiner Mandanten. Deshalb ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung nötig. Er muss außerdem seine Mandanten über alle neuen Steuerauflagen und Gesetze informieren. Der Beruf des Steuerberaters ist der einzige, in dem man das Studium durch lange Berufserfahrung ersetzen kann. Nach zehn Jahren Berufserfahrung als Finanzbuchhalter zum Steuerfachwirt erhält man die Zulassung zum Examen.
Die Wirtschaftsprüfer gewährleisten, dass Unternehmen keine falschen Angaben wissentlich oder unwissentlich über ihr Unternehmen machen. Der Beruf des Wirtschaftsprüfers ist ein öffentliches Amt und er ist noch relativ jung (seit 1931). Ein Unternehmen ab einer bestimmten Größe ist dazu verpflichtet sich von einem Wirtschaftsprüfer prüfen zu lassen. Er kontrolliert die Buchhaltung, leistet Rechtsberatung, Hilfeleistung in Steuersachen und führt ebenfalls Unternehmensberatung durch. Der Wirtschaftsprüfer sollte unabhängig, verantwortungsvoll und parteilos sein, um gewissenhafte Angaben über das Unternehmen zu machen.

Ich habe mich sehr für die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsfelder in der Kanzlei interessiert und darüber nachgeforscht. Die Zusammenarbeit von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern in einer Kanzlei hat viele Vorteile. Man kann sich gegenseitig Mandanten vermitteln. Wenn z.B. ein Steuerberater einen Mandanten hat, der rechtlichen Probleme mit seinem Unternehmen hat, kann er diesen an den Rechtsanwalt aus seiner eigenen Kanzlei weitergeben. Dadurch werden in einer Kanzlei alle rechtlichen Bereiche abgedeckt. Durch eine Vertrauensebene und ein freundschaftliches Verhältnis kann man seine Mandanten mit gutem Gewissen einem Kollegen übergeben.

Die Kanzlei ist relativ groß. Trotzdem arbeiten alle in einem engen Arbeitsverhältnis zusammen. Das Sekretariat ist für die Organisation von Terminen zuständig und empfängt Mandanten. Die Lohnabteilung und die Finanzbuchhaltung leistet gewissermaßen die Vorarbeit für die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, denn diese können nur auf Basis dieser Bilanzen und Zahlen ihre Arbeit ausführen. Die Rechtsabteilung ist etwas eigenständiger als die anderen Abteilungen. Sie leistet eine beratene Funktion und wird nicht immer zu Rate gezogen. Die Kanzlei arbeitet nach dem 4-Augen-Prinzip. Das bedeutet, dass die geleistete Arbeit immer von einer zweiten Person überprüft wird (der Wirtschaftsprüfer kontrolliert die Buchhaltung). Das ist sehr wichtig, um Fehler zu minimieren und somit gewissenhafte Angaben machen zu können. Durch die verschiedenen Arbeitsschritte der einzelnen Abteilungen und die enge Zusammenarbeit entsteht am Ende die fertige Dienstleistung für einen Mandanten. Das enge Arbeitsverhältnis und die gewissenhafte und vertrauensvolle Beziehung zwischen den verschiedenen Mitarbeitern ist zwingend notwendig, um am Ende eine gute Dienstleistung bieten zu können. Die Arbeit in der Kanzlei wurde durch die verbesserte Technik deutlich verbessert und beschleunigt. Computer und verschiedene Programme minimieren die Arbeitskräfte und Fehlerzahlen. Wahrscheinlich wird sich auch in der Zukunft noch einiges verändern durch die Verbesserung der Technik.

Ebenfalls hatte mich interessiert ob, und wenn, wie der Steuerberater Einfluss auf seine Mandanten nimmt. Der Steuerberater nimmt eher beratenen Einfluss auf seine Mandanten. Die Entscheidungen muss der Mandant letztendlich selber treffen, aber der Steuerberater verfügt über das Fachwissen und der Mandant muss sich auf ihn verlassen können. Der Jahresabschluss und die Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens, die sich nach einem Jahr ergibt, und Aussage darüber trifft ob ein Unternehmen Gewinn oder Verlust macht, ist zum einen für den Unternehmer interessant, um zu sehen, ob er einen Gewinn oder Verlust mit seinem Unternehmen macht und wie er sein weiteres Vorgehen plant. Auf der anderen Seite aber auch für das Finanzamt und die Banken. Deshalb sind die Unternehmer immer einem Zwiespalt ihrer Gewinnauslegung verfallen. Wenn sich viel Gewinn in ihrem Jahresabschluss zeigt, haben sie nach außen hin ein starkes und konkurrenzfähiges Dastehen und außerdem bessere Chancen Kredite bei einer Bank zu erhalten, weil die natürlich nur Kredite geben, wenn das Unternehmen wirtschaftsstark genug ist. Jedoch muss ein Unternehmen dann hohe Steuern bei dem Finanzamt zahlen. Aus diesem Grund ist die Steuergestaltung sehr interessant und der Mandant kann dabei natürlich Rat bei seinem Steuerberater bekommen. Die Steuergestaltung ist ebenfalls bei internationalen Kunden oder Kunden mit internationalen Kontakten sehr interessant. Wenn beispielsweise eine Firma ihren Produktionsstandort im Ausland hat, dann stellt sich die Frage, wo Steuern gezahlt werden müssen.

Teilweise schreibt das Finanzamt andere Sachen vor als wie das Gericht urteilt. Deshalb gibt es die Möglichkeit zum eigenen Vorteil gegen die Vorschriften des Finanzamtes zu handeln. Man kann also Grauzonen ausnutzen, um Steuereinsparungen zu machen. Dabei berät einen ebenfalls der Steuerberater.

Fazit

Das Unternehmen hat mich sehr überrascht, denn es ist größer als ich dachte. Außerdem arbeiten alle enger zusammen, als ich erwartet hatte. Der persönliche, tägliche Kontakt und der Austausch von Informationen ist jedoch auch notwendig, um an Ende die fertige Dienstleistung zu erhalten. Alle Mitarbeiter arbeiten in einer Art Arbeitskette zusammen. Die Dienstleistung wird schrittweise von den verschiedenen Mitarbeitern bearbeitet, bis am Ende die fertige Dienstleistung für den Mandanten entsteht.

Die Arbeit im Bereich des Lohns und der Finanzbuchhaltung war etwas einseitig und wäre wahrscheinlich weniger etwas, das ich mal beruflich machen wollen würde. Jedoch fehlte ja auch ein wenig das Hintergrundwissen, welches die Arbeit wahrscheinlich auch interessanter gemacht hätte. Zusätzlich konnte ich ja nur einfache Aufgaben bearbeiten, weil mir die nötige Ausbildung fehlt. Die Arbeit in der Rechtsabteilung fand ich sehr spannend und abwechslungsreich. Für mich persönlich war die Arbeit in diesem Bereich besonders interessant und hat mich weiter in dem Wunsch nach einem juristischen Beruf bestärkt.
Im Großen und Ganzen habe ich die verschiedenen Bereiche der Kanzlei kennengelernt und viel dazugelernt. Das Praktikum hat mir eine Menge Spaß gebracht.

Das Gespräch mit dem Steuerberater Herrn Kewitsch und einer weiteren Mitarbeiterin war sehr hilfreich, denn ich konnte viele Fragen stellen und mir wurden viele Informationen gegeben. Allgemein waren alle Mitarbeiter sehr hilfsbereit und freundlich.

Lina Bahr